COACHING

Coaching einer jungen Frau mit Multipler Sklerose (MS)


Eine MS-Betroffene kommt auf Empfehlung einer spezialisierten Pflegefachfrau zu mir in Beratung. Die junge Frau hat sich wegen ihrer MS einmal öffentlich in einem Kaufhaus in die Hosen gemacht. 

Sie schämte sich fast zu Tode deswegen. In der Folge trank sie immer weniger und verliess während Monaten kaum noch das Haus.  Wenn sie nach draussen muss, geht sie vorher x Mal zur Toilette. Sie presst ihre Blase manuell über die Bauchdecke aus: Die Stelle dort ist schmerzhaft wund.


Fazit: Die junge Frau erfüllt Kriterien einer Zwangsstörung. Sie benötigt aber keine "State of the Art" Psychotherapie. Eine solche hat sie dazu übrigens schon erfolglos absolviert. Sie braucht in erster Linie mehr Wissen über die Krankheit MS und über ihren Körper. Es ist ihr ganz neu, auch nach fünfzehn Jahren Leben mit MS, dass diese Krankheit die Blasenentleerung stören kann. Sie muss 

also ihrer Erkrankung besser verstehen und ihren Körper neu einschätzen lernen.


Vorgehen: Ich vermittle der jungen Frau Wissen über MS und über den Wasserhaushalt des Körpers. Wir trainieren die Körperwahrnehmung. Die junge Frau fragt mich, wie sich andere in ähnlicher Situation verhalten. Dazu erzähle ich ihr Fallbeispiele aus meiner Praxis. Sie ist erleichtert, dass sie nicht alleine ist mit ihrem peinlichen Blasenproblem und dass es sogar mögliche Ansprech-parternerinnen gibt. Gerne nimmt sie Broschüren und Internet-Adressen zu weiterführenden Informationen mit nach Hause. 


Verlauf: Nach nur drei Terminen  wagt sich die junge Frau wieder vermehrt nach draussen, trinkt normale Mengen und hat einen grossen Teil ihrer Zwangshandlungen aufgegeben. Nach sechs Terminen ist sie so weit stabil, dass wir die Beratung beenden. 


Prävention: Die Beratung verhindert die komplete soziale Isolation der jungen Frau mit leidvollen Folgen. Das gehört zur sekundären Prävention. Die Beratung verhindert zudem Folgeprobleme im Urogenitaltrakt der jungen Frau wie eine Abnahme des Blasenfassungsvermögen oder einen Harnwegsinfekt wegen zu geringer Flüssigkeitszufuhr. Das läuft unter tertiärer Prävention.

Ich war mit der jungen Frau verblüfft, wie wenig Zeit wir benötigt hatten, um für ihr Leiden eine im Alltag praktikable Art des Umgangs zu finden. 

Beim Abschied lächelte sie entspannt und wünschte mir alles Gute. 

Das erwiderte ich sehr gerne!