NARRATIVE MEDIZIN

Narrative Medizin

Meine Kernkompetenz

Erzählen und Zuhören bekommen in der Medizin wieder vermehrt Platz. Narrative ergänzen sinnvoll logisch-systematische Analysen, die in statistischen Modellen wurzeln. Auf diese Weise kommen Diagnostiker zu umfassenden Informationen, Therapeuten unterhalten wirkungsvolle Arbeits-bündnisse mit ihren Patienten.

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Weil durch das Erzählen und Zuhören eine gemeinsame Ordnung hergestellt wird, ergibt sich im narrativ geführten Gespräch eine Zusammenarbeit zwischen Patient und Therapeutin. Aus dieser Synergie kann sich auch in auswegslos scheinenenden Situationen Heilvolles entfalten. Das erlebe ich immer wieder zauberhaft.

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In der Narrativen Medizin wird Wissen nicht abstrakt, sondern in patientenbezogenen, meist kurzen Erzählungen präsentiert. Ebenfalls horchen Therapeuten in narrativer Tradition auf alle erzählenden Anteile in Äusserungen ihrer Patienten und Mitarbeitenden. Das hat viele Vorteile: Wenn Patienten ihre Symptome in eigenen Worten und ohne Unterbrechung erzählen, werden Visiten effizienter. Alle wichtigen Symptome kommen zur Sprache. Therapeuten erhalten  damit relevante Informationen für Diagnostik und Therapie-Entscheidungen.

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Wenn Fachpersonen im Gesundheitswesen über ihre Patienten und ihre Erlebnisse bei der Arbeit sprechen, geben sie relevantes Wissen in verständlicher Form weiter und drücken ihre Gefühle aus. Beides ist grundlegend für Arbeits- und Lebensqualität.

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Wenn man mich nach meinem Beruf fragt, antworte ich manchmal: “Ich bekomme Geschichten erzählt und ich erzähle Geschichten.”

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Dass ich das im Gesundheitswesen praktizieren darf, passt mir gut. Ich bin neugierig, was Menschen an Übergängen erfahren, was ihnen mit verändertem Körpererleben den Alltag erleichtert, was ihnen im Sterben geschieht und was das für unser Leben bedeutet. Davon gebe ich im Austausch einzelne Teile weiter. So ergeben sich in jedem Gespräch neue Geschichtenmuster, 

eine Art Erzähl-Kaleidoskop.

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Weiteführende Lektüre: Unterdessen gibt es viel Fachliteratur zum Thema Narrative Medizin. 

Erzählend macht einem Professor Robert Coles (1929) das Thema schmackhaft: The Call of Stories, 1989

Hier ebenfalls zum Einstieg zwei Artikel von Professorin Gabriele Lucius-Hoene (1950):

Krankheitserzählungen und die narrative Medizin. In: Rehabilitation, 47, S. 90 - 97, 2008.

Erzählen als Bewältigung. In: Erzählen, Träumen und Erinnern. Erträge klinischer Erzählforschung. 

Herausgegeben von G. Grimm, N, Kapfhamer, H. Mathys und B. Boothe, S. 139 - 147, 2009.

Frau Prof. Lucius-Hoene führte mich zuerst mit ihren Texten, danach als Lehrerin in die Narrative Medizin ein. Sie ist massgeblich an der Einführung von  krankheitserfahrungen.de beteiligt, einer Website in der Tradition Narrativer Medizin. Sie lebt und arbeitet als emeritierte Professorin für Rehabilitationspsychologie und Psychotherapie in Freiburg im Breisgau.